christof
2008-11-18, 09:16 PM
Es war mal wieder einer dieser Tage, die schon am Morgen den Anschein erweckten, als könnten sie eine Überraschung bereithalten. Ich war mal wieder auf Reisen und hatte, wie in letzter Zeit öfter seitdem ich die grosse Nimbus-Einradtasche erworben hatte, ein Einrad dabei. Aus den verschiedenen Modellen meiner Einradgarage hatte sich das KH29er schon ab und an als gute Wahl erwiesen. Gross, entsprechend streckentauglich, mit Dual-Kurbeln variabel, halbwegs leicht und vorallen unkapputtbar (bei meinem Fahrstil) taugte es schon häufiger als wertvoller Begleiter auf Touren in verschiedene Länder. Auch wenn ich mich ab und zu schon frage, warum ich nicht Jogger, sondern Einradfahrer geworden bin, wäre doch die Ausrüstung um einiges leichter. Andererseits bin ich wenigstens nicht Taucher oder Golfer, es könnte also auch schlimmer sein. Joggen finde ich allerdings saudoof (wie übrigens golfen), und meine Leidenschaft zum Einrad muss ich in diesem Forum wohl niemandem erläutern.
Ich war zum Wochenende mal wieder in meine Heimat gereist, das Sonntgags-Frühstück lag hinter mir und draussen lachte die Oktobersonne. 90 Minuten später sollte ich beim nächsten Teil der Familienzusammenkunft anwesend sein, die Chance auf eine kleine Einradrunde war gegeben. Da ich am selben Abend noch beruflich für zwei Wochen weiterreisen musste, war meine Kleiderauswahl wie immer auf Reisen knapp bemessen, entsprechend beschloss ich, das T-Shirt vom Tag zuvor anzuziehen. Aber draussen war es kalt, also kam noch eine Fliessjacke drüber. Schnell war mein 29er fahrbereit und ich bretterte los. In der vergangenen Woche war ich nicht zum Fahren gekommen und vor mir lag eine Stunde Einradglück bei Sonnenschein, entsprechend gut gelaunt gab ich von der ersten Sekunde an Gas.
Mein Weg führte mich direkt in den nahegelegenen Wald, in dem ich als Kind viele Stunden und Tage zugebrachte hatte. Die schmalen, kurvigen Wege sind mir bestens vertraut – ein Genuss auf einem 29er - selbst die meissten Wurzeln und Steine kenne auch heute noch auswendig. Ich bretterte also etwas übermütig durch das Herbstlaub. An einer Stelle ging die Strecke über einen kleinen Erdwall und macht hintendran ziemlich direkt eine scharfe 150 Grad Linkskurve, die einzige Stelle, wo mein neu erworbener Spooner in diesem ansonsten flachen Gelände mal betätigt werden konnte. Um die Kurve rum wurde der Weg schnell zum flachen, eng gefurchten, kurvigen Singletrail. Links und rechts des Trails stand hohes Gras. Ein schöner Anblick, dachte ich noch, als es ganz plötzlich und unerwartet mal wieder geschah… Mein Rad verfing sich an einer Wurzel und mein Körper nahm schlagartig eine horizontale Flugbahn ein. Noch in der Luft wurde mir bewusst, dass ich diese Wurzel wohl vergessen haben musste. Die Landung auf Händen, Bauch, Brust und Knien fühlte sich zum meinem positiven Erstaunen sehr weich an und schnell war klar, dass die Knieschoner ganze Arbeit geleistet hatten, ich hatte mir also nicht wehgetan. Sofort stand ich wieder und musterte mich selbst. Eine ordentliche Portion brauner "Matsch" zierte meine dunkelblaue Fliessjacke. Es dauerte wohl nur Zehntelsekunden, bis ein würzig-wiederlicher Geruch meine Nervenzellen in der Nase erreichte und mein Gehirn Bilder eines schwanzwedeldem, glücklichen Fiffi, Bello oder wohl eher Hasso oder Wotan für mich bereit hatte, der vor nicht allzulanger Zeit an dieser Stelle wohl für einen Moment verharrt haben musste.... So eine verdammte SCHEIIIIIIISSSSSSSSSSSE – brüllte ich, als mir die Sauerei im ganzen Ausmass bewusst wurde….
So. Eine. Verdammte. Scheisse! Ein weiterer Blick machte klar, dass zumindest nur die Jacke betroffen war und irgendwie war ich in den darauffolgenden Sekunden auch froh, nicht 30 cm früher den Boden erreicht zu haben. Aber was nun? Zurück zu meinen Eltern? Die Schadenfreude meines Vaters wäre wohl zu gross gewesen. Oh man - das stinkt dachte ich und dachte schneller. Die Jacke einfach Lebewohl sagen? Kam irgendwie auch nicht in Frage, ich brauchte sie noch, ausserdem war es viel zu kalt. Zum Glück kam mir meine Schwester in den Sinn, die nur wenige Kilometer weit entfernt wohnt. Auf dem Weg zu Ihr fuhr ich so schnell ich konnte und ab einer gewissen Geschwindigkeit wurde auch die Geruchsbelastung erträglich. Leider musste man auf dem Weg durch ein mittelgrosses Örtchen. Zum Glück kennt mich hier niemand mehr, dachte ich, aber an einem Sonntagvormittag ist es trotzdem ziemlich unmöglich, auf einem KH29 unbeachtet durch ein katholisch-bayerisches Kaff zu fahren, wo gerade alle aus der Kirche kommen. Egal, ich gab alles und versteckte - bei meiner Schwesater angekommen - die Jacke erstmal im Vorgarten, befürchtete ich doch das breite Grinsen meines Schwagers. Zum Glück öffnete meine Schwester und freute sich über den spontanen Besuch. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meiner Schwester und wir haben uns in der Vergangenheit schon häufiger aus Scheisse geholfen, wenn wohl auch selten so im warsten Sinne des Wortes. Ich erzählte ihr die Geschichte, ihr schallendes Gelächter verflog dank des üblen Geruchs recht schnell und 30 Sekunden später befand sich die Jacke schon bei einer INTESIV-Vorwäsche gespickt mit doppelter Waschpulvermenge allein in einer Waschmaschine. Ohne grosses Aufsehen übergab sie mir einen Fliesspullover meines Schwagers und ich konnte die Fahrt zum meinen Eltern zurück antreten. Denen fiel derder Wechsel meines Oberteils (von dunkelblau nach grau) zum Glück nicht auf. Unter der Dusche fühlte ich mich besser. Tja, so ist das Leben manchmal – Shit happens, was soll's… Inzwischen ist es Abend, ich sitze ich im ICE, habe den Tausch vor der Abfahrt wieder rückgängig gemacht und meine Jacke zurück erhalten. Sie riecht wieder gut.
Ich war zum Wochenende mal wieder in meine Heimat gereist, das Sonntgags-Frühstück lag hinter mir und draussen lachte die Oktobersonne. 90 Minuten später sollte ich beim nächsten Teil der Familienzusammenkunft anwesend sein, die Chance auf eine kleine Einradrunde war gegeben. Da ich am selben Abend noch beruflich für zwei Wochen weiterreisen musste, war meine Kleiderauswahl wie immer auf Reisen knapp bemessen, entsprechend beschloss ich, das T-Shirt vom Tag zuvor anzuziehen. Aber draussen war es kalt, also kam noch eine Fliessjacke drüber. Schnell war mein 29er fahrbereit und ich bretterte los. In der vergangenen Woche war ich nicht zum Fahren gekommen und vor mir lag eine Stunde Einradglück bei Sonnenschein, entsprechend gut gelaunt gab ich von der ersten Sekunde an Gas.
Mein Weg führte mich direkt in den nahegelegenen Wald, in dem ich als Kind viele Stunden und Tage zugebrachte hatte. Die schmalen, kurvigen Wege sind mir bestens vertraut – ein Genuss auf einem 29er - selbst die meissten Wurzeln und Steine kenne auch heute noch auswendig. Ich bretterte also etwas übermütig durch das Herbstlaub. An einer Stelle ging die Strecke über einen kleinen Erdwall und macht hintendran ziemlich direkt eine scharfe 150 Grad Linkskurve, die einzige Stelle, wo mein neu erworbener Spooner in diesem ansonsten flachen Gelände mal betätigt werden konnte. Um die Kurve rum wurde der Weg schnell zum flachen, eng gefurchten, kurvigen Singletrail. Links und rechts des Trails stand hohes Gras. Ein schöner Anblick, dachte ich noch, als es ganz plötzlich und unerwartet mal wieder geschah… Mein Rad verfing sich an einer Wurzel und mein Körper nahm schlagartig eine horizontale Flugbahn ein. Noch in der Luft wurde mir bewusst, dass ich diese Wurzel wohl vergessen haben musste. Die Landung auf Händen, Bauch, Brust und Knien fühlte sich zum meinem positiven Erstaunen sehr weich an und schnell war klar, dass die Knieschoner ganze Arbeit geleistet hatten, ich hatte mir also nicht wehgetan. Sofort stand ich wieder und musterte mich selbst. Eine ordentliche Portion brauner "Matsch" zierte meine dunkelblaue Fliessjacke. Es dauerte wohl nur Zehntelsekunden, bis ein würzig-wiederlicher Geruch meine Nervenzellen in der Nase erreichte und mein Gehirn Bilder eines schwanzwedeldem, glücklichen Fiffi, Bello oder wohl eher Hasso oder Wotan für mich bereit hatte, der vor nicht allzulanger Zeit an dieser Stelle wohl für einen Moment verharrt haben musste.... So eine verdammte SCHEIIIIIIISSSSSSSSSSSE – brüllte ich, als mir die Sauerei im ganzen Ausmass bewusst wurde….
So. Eine. Verdammte. Scheisse! Ein weiterer Blick machte klar, dass zumindest nur die Jacke betroffen war und irgendwie war ich in den darauffolgenden Sekunden auch froh, nicht 30 cm früher den Boden erreicht zu haben. Aber was nun? Zurück zu meinen Eltern? Die Schadenfreude meines Vaters wäre wohl zu gross gewesen. Oh man - das stinkt dachte ich und dachte schneller. Die Jacke einfach Lebewohl sagen? Kam irgendwie auch nicht in Frage, ich brauchte sie noch, ausserdem war es viel zu kalt. Zum Glück kam mir meine Schwester in den Sinn, die nur wenige Kilometer weit entfernt wohnt. Auf dem Weg zu Ihr fuhr ich so schnell ich konnte und ab einer gewissen Geschwindigkeit wurde auch die Geruchsbelastung erträglich. Leider musste man auf dem Weg durch ein mittelgrosses Örtchen. Zum Glück kennt mich hier niemand mehr, dachte ich, aber an einem Sonntagvormittag ist es trotzdem ziemlich unmöglich, auf einem KH29 unbeachtet durch ein katholisch-bayerisches Kaff zu fahren, wo gerade alle aus der Kirche kommen. Egal, ich gab alles und versteckte - bei meiner Schwesater angekommen - die Jacke erstmal im Vorgarten, befürchtete ich doch das breite Grinsen meines Schwagers. Zum Glück öffnete meine Schwester und freute sich über den spontanen Besuch. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meiner Schwester und wir haben uns in der Vergangenheit schon häufiger aus Scheisse geholfen, wenn wohl auch selten so im warsten Sinne des Wortes. Ich erzählte ihr die Geschichte, ihr schallendes Gelächter verflog dank des üblen Geruchs recht schnell und 30 Sekunden später befand sich die Jacke schon bei einer INTESIV-Vorwäsche gespickt mit doppelter Waschpulvermenge allein in einer Waschmaschine. Ohne grosses Aufsehen übergab sie mir einen Fliesspullover meines Schwagers und ich konnte die Fahrt zum meinen Eltern zurück antreten. Denen fiel derder Wechsel meines Oberteils (von dunkelblau nach grau) zum Glück nicht auf. Unter der Dusche fühlte ich mich besser. Tja, so ist das Leben manchmal – Shit happens, was soll's… Inzwischen ist es Abend, ich sitze ich im ICE, habe den Tausch vor der Abfahrt wieder rückgängig gemacht und meine Jacke zurück erhalten. Sie riecht wieder gut.