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  • Minta
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    Sehr schöner Bericht, Bernhard. Sowas zu lesen macht große Lust auf eine Tour bei schönem Wetter (also eher nächstes Jahr).

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  • Bernhard
    replied
    Parenzana trail

    Warum schreibt denn hier seit über 2 Jahren niemand nix mehr?

    Dann will ich mal in einem langen Bericht über einen kurzen Trip erzählen, der ein kleiner Schritt für die commUNIty ist, aber ein großer für mich.
    Lange hab ich nach einer Tour gesucht, die über ca. 123 abwechslungsreiche Kilometer, in einer berühmten Hafenstadt beginnend, anfangs über asphaltierte Radwege meist entlang der Küste verläuft, dann aber ins Landesinnere führt und auf steinigen Pfaden kleine nette Dörfer miteinander verbindet und durch drei Staaten führt. Eine ehemalige Eisenbahntrasse, die nie steiler als 3% ist, jedoch auch selten weniger; eine ehemals eingleisige Schmalspurbahn die durch 9 enge finstere Tunnel, über 11 zierliche Brücken, 6 Viadukte und unzählige Kurven durch einen auf Kalkstein wachsenden, extensiv bewirtschafteten Wald verläuft.

    Nach langer Recherche habe ich den Parenzana Trail gefunden. Er erfüllt all diese Kriterien.

    Er führt entlang einer ehemaligen Eisenbahnlinie, die den wichtigsten Hafen der Donaumonarchie mit einem touristischen Hotspot verbunden hat und dabei eine Durchschnittslangsamkeit von 25 km/h fuhr.
    Nicht lange musste ich überlegen um zu wissen, was ich in diesem Leben noch erreichen will.
    Länger brauchte ich allerdings, um mich dieser Tour gewachsen zu fühlen.
    Als passendes Reisemittel erschien mir das KH36. Groß genug um erhaben über sämtliche Unebenheiten souverän hinwegrollen und die Strecke in zwei Tagen zurücklegen zu können.
    Konditionell fühlte ich mich im August 2019 fit genug und für längere Zeit am Sattel sitzen konnte ich auch; das mit dem Freemounten lernen verschob ich auf später. Manchmal sollten mir Bäume o. ä. aufs Rad helfen, ich dürfe halt nicht zu oft absteigen…

    Am 3. August stieg ich um 5 Uhr früh in Triest aus dem Flixbus und folgte einem Radweg bis auf 170 Meter Seehöhe. An einem schönen Aussichtspunkt erkannte ich, dass ich mich auf dem falschen Radweg befand und beschloss, engen Gassen folgend und das VII. Gebot der Bruderschaft des einen Rades ignorieren, talwärts zu spazieren. Bereits in heftigstem italienischen Frühverkehr verließ ich dieses Monster einer Stadt und befand mich alsbald an der sonnigen Slowenischen Riviera. Hier verplemperte ich zu viel Zeit mit Picknicken und Müßiggang sodass ich kurz nach der Kroatischen Grenze der ersten wirklich längeren Steigung in voller spätnachmittäglicher Hitze ausgesetzt war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die letzten Wasserreserven längst verbraucht und fand im Kalkgesteinswald länger auch keine Wasserquelle.
    Am späteren Abend kam ich an einem Dorf vorbei und dank kapitalismuskompatiblen, profitorientierten Ladenöffnungszeiten in den Genuss von Wasser, Bananen und anderem Obst. Nach Rehydration und einer ordentlichen Fruktoseinfusion ließ mich die Aussicht, den Tag im Künstlerdorf Grožnjan beenden zu können, beharrlich weiterfahren.
    Die letzten 20 Kilometer dieses Tages waren die physisch und psychisch anstrengenden, die ich je auf einem Rad zurücklegte.

    Am nächsten Morgen rollte ich meinen leichten Sommerschlafsack zusammen und begab mich noch bevor die Dorfbewohner erwachten auf den Weg. Die Morgenstimmung im hügeligen Istrien war beeindruckend und nachdem ich auf 293 m den höchsten Punkt des Parenzana Trails erreicht hatte, lag eine lange, steinige Abfahrt durch viele Tunnel und über noch mehr Brücken vor mir.
    Eine gute halbe Stunde nachdem ich den letzten Menschen gesehen hatte (ein älterer Ziegenhirte, der verwundert "one wheel!" ausstieß, als hätte er hier noch nie einen 36" 1Radfahrer vorbeifahren sehen), vernahm ich aus dem Wald vor mir tiefe Brummelgeräusche die den Hügel hinaufzuwandern schienen und dachte sofort an einen Bären. Zuhause meinte ein Freund, es könnte am Sonntagmorgen auch ein Bauer am Heimweg gewesen sein…
    Wie auch immer, ich blieb also kurz stehen und aß Brombeeren vom Wegesrand. Auf den kleinen Kernen kauend, brach in meiner Aufregung ein Eckzahn aus meinem Gebiss und weg war die morgendliche Romantik!
    Ein paar Kilometer weiter fuhr ich an einem abgeschiedenen Bauernhof vorbei an dem ein Schild mit Messer, Kalaschnikov, und scharfem Hund vor Eindringlingen warnte. Meiner pathologischen Hundephobie wegen stieg ich vom Rad und ging schiebend weiter - und zwar ziemlich weit, da sich danach kein geeigneter Baum als Aufstiegshilfe anbot. Kurz vor dem nächsten Dorf vernahm ich intensives Gebell eines Hunderudels, oder mehrerer.
    Ich brauchte erst mal einen Café und eine Nachdenkpause; wollte die Tour abbrechen; alles schien sich gegen mich gewendet zu haben. Meine Nahrungsvorräte waren knapp und vor mir lag eine lange, steinige Steigung.
    Dass dieses Kaff schlecht ans öffentliche Verkehrssystem angebunden war, trug dann wesentlich zur Entscheidung bei, die Tour doch fortzusetzen. Auch befanden sich zu dieser Tageszeit schon mehrere Stützradpiloten am Weg, was meine Furcht vor Hundeattacken milderte.
    Einen guten Teil des folgenden Anstiegs wurde ich von einem einheimischen Zweiradfahrer begleitet. Es wurde viel gefachsimpelt auf dieser von größeren Steinen und in den Weg wachsenden Vegetation gesäumten leichten Steigung in grandioser Landschaft. Seine Tochter fuhr schon mal voraus, ihm jedoch schien mein Tempo zu behangen
    Zur nächsten Cafépause in Vižinada hatte ich wieder Gesellschaft eines örtlichen Jugendlichen und einer Österreichischen Touristenfamilie. Es war früher Nachmittag und ich hatte nur noch etwas mehr als 20 km bis Poreč. Als ich überraschenderweise ziemlich unpeinlich aufs Rad stieg und weiterfuhr, klatschen die Gäste, die alle vor dem Café standen um mir zuzusehen. Vermutlich machen nur wenige 36" 1Radfahrer in diesem Lokal Rast…
    Der Weg führt nun flach über Feldwege durch Weingärten bis Poreč und ich komme zügig voran, verfahre mich allerdings kurz vor der Stadt, sodass ich nicht am eigentlichen Trailende ankomme, sondern erst mal durch ausgedehnte Gewerbegebiete auf Gehsteigen Richtung Stadtzentrum fahre. In der 2000 Jahre alten, 17.000 Einwohner zählenden, UNESCO-Weltkulturerbestadt finde ich auch ein veganes Restaurant mit super-freundlichem Personal wo ich mich vor der Heimfahrt mit dem Fernbus nochmal lukullischen Genüssen hingebe.


    Doch vorher kam natürlich das Bad im Meer. Und dieses unbeschreiblich erbauende Hochgefühl bei der Ankunft in den ausgedehnten Parkanlagen am Strand. Nach nur zwei Tagen, die sich nun wegen der Erlebnisdichte wie eine Ewigkeit anfühlen. Nach downs and ups. Nicht nur 1289 Höhenmeter; sondern an der persönlichen Grenze des Scheiterns, des Aufgeben, der Angst, Anstrengung, Frustration, Müdigkeit, Erschöpfung; aber ebenso der Überwindung von Angst, Frustration, Müdigkeit und Erschöpfung; und dem Genuss einer einzigartig schönen Landschaft sowie der nunmehrigen Gewißheit, diesen Trail, von dem ich nicht sicher war, ob ich ihn schaffen würde, tatsächlich und aller Widrigkeiten zum Trotz finalisiert zu haben, fühlten sich diese letzten Meter richtig gut an.
    Ich weiß nicht, was sich die Hundertschaften von Badewilligen gedacht haben, als sie mich, erhaben auf dem KH36 und voll Freude strahlend, den Strand entlang fahren sahen - es war und ist mir auch völlig egal.
    Was zählt ist einzig das Gefühl, ein Abenteuer erlebt zu haben welches das Leben lebenswert macht.
    Attached Files

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  • borstolone
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    Hallo,
    Bravo....... für mich als blutiger Anfänger eine absolute Hammerleistung!
    Grüße, Jakob

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  • Onewheelhenni
    replied
    Ein erstes gezieltes Hüpferchen

    Für normale Einradfahrer nicht erwähnenswert, für mich aber eine echte Leistung: Ich bin heute zum ersten Mal gezielt über ein Hindernis gehüpft, aus voller Fahrt! Der Sprung war ca 45 cm lang und 8 cm hoch (Videoaufzeichnungen bestätigen dies!)

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  • finnspin
    replied
    Originally posted by borstolone View Post
    By the way: Hat wer schon mal einen betrunkenen Einradfahrer gesehen? , köstlich die Vorstellung
    Bin vor zwei Jahren mangels Fahrrad mit dem Einrad 2 Kilometer zu einer Party gefahren. Im Verlauf des Abends haben sich viele die mit mir zusammen früher im Kinderzirkus fahren gelernt haben wieder aufs Rad gesetzt, durchweg erfolgreich, trotz häufig Jahre langer Einrad Pause und dem Genuß alkoholreicher Getränke. Also wildes Arm gerudere und Schlangenlinien kann man ja bei Anfängern oft genug sehen, das ist ehrlich gesagt identisch bis spektkulärer als bei betrunkenen Fortgeschrittenen.

    Interessant dazu:
    http://www.faz.net/aktuell/gesellsch...-13395783.html (wie schafft man es denn an solchen Studien teilzunehmen?) Aus persönlicher Erfahrung kann ich allerdings bestätigen dass betrunken Einradfahren doch deutlich schwieriger ist als Fahrradfahren.

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  • Yeti
    replied
    Mit wievielen Promillen?

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  • Felgenbremse
    replied
    Ich bin letzten Samstag 10Km mit meinem 26er gefahren. Allerdings nur auf Asphalt.

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  • borstolone
    replied
    Hallo,
    Also ein Kölsch gehört ja noch zu Preussen. So ganz knapp. Eine Maß halt überhaupt nicht.

    Grüße aus dem wilden Süden, Jakob

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  • Eremit
    replied
    Originally posted by SarahW View Post
    Dabei wäre interessant, ob bei dir ein Bier eine Maß oder ein Kölsch ist.
    Ich habe die Frage nicht verstanden.
    Grüße aus Preußen
    Uli

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  • Yeti
    replied
    Ja, laufen war da dann auch schwierig. Aber Einradfahren halt auch.

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  • SarahW
    replied
    Wow nach drei Bier noch fahren können,... da lauf ich ja schon in Schlangenlinien.
    Ein Bier ist bei mir ok, das merk ich nicht groß, fahre eher etwas besser, weil ich nicht mehr so übervorsichtig fahre. Zwei geht noch, aber da fühle ich mich schon unsicher. Mehr habe ich noch nicht probiert.

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  • Yeti
    replied
    1 Bier = 0,5l

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  • SarahW
    replied
    Dabei wäre interessant, ob bei dir ein Bier eine Maß oder ein Kölsch ist.

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  • Yeti
    replied
    Originally posted by borstolone View Post
    By the way: Hat wer schon mal einen betrunkenen Einradfahrer gesehen? , köstlich die Vorstellung
    Vor ein paar Jahren haben wir mit mehreren Leuten mal ein wissenschaftliches Experiment gemacht und eine Versuchsreihe durchgeführt. Die Fähigkeiten auf dem Einrad lassen mit steigendem Alkoholspiegel rapide nach. Bei mir war nach 3 Bier die Grenze erreicht, wo ich nicht mehr zuverlässig aufsteigen konnte. Gliding wollte schon nach 2 Bier nicht mehr wirklich klappen. Bei den anderen Versuchsteilnehmern sah es ähnlich aus, wobei die Schwellwerte ab denen Ausfälle erkennbar waren individuell variierten.

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  • borstolone
    replied
    Hallo Wolfgang,
    ich würd mal 3-4 Km annehmen. Der Gemüseladen liegt im Neuenheimer Feld in Heidelberg, no Prob.

    By the way: Hat wer schon mal einen betrunkenen Einradfahrer gesehen? , köstlich die Vorstellung

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